Die Monster Hunter-Reihe ist legendär wegen ihres hohen Suchtfaktors und des Bombardements an Bosskämpfen. Aber ist der neue Teil, Wilds, ein guter Einstiegspunkt für Serienneulinge? Darauf gibt der ntv.de-Test eine klare Antwort: Jein.

Ich möchte diesen Text mit etwas beginnen, das in dieser Branche selten passiert: indem ich Ahnungslosigkeit zugebe. Ich habe noch nie einen "Monster-Hunter"-Teil gespielt - bis jetzt. Während hunderte Veteranen der Monsterjagd noch geduldig auf die Erscheinung warten mussten, durfte ich schon ein paar Tage früher ran. Für alle, die neu in die Franchise eintauchen wollen und nicht sicher sind, ob Wilds ein geeigneter Einstieg sein könnte, habe ich mutig und unerschrocken den Praxistest gemacht - und kann ganz klar sagen: Jein!

"Monster Hunter" lässt sich am besten beschreiben als Bombardement von Bossgegnern. Jeder Feind, dem wir gegenüberstehen, hat wahlweise Schuppen, riesige Klauen, Flügel, Fangzähne oder Greifarme. Und diese Monster - da ist der Name des Spiels Programm - jagen wir. Die Kämpfe sind im Regelfall anspruchsvoll, episch und dauern oft zwischen 15 und 30 Minuten. Nach den Kämpfen erhalten wir seltene Materialien, mit denen wir Waffen und Rüstung verbessern.

Dazwischen wird ein bisschen Story gequetscht und dann werden wieder Monster gejagt. Wir kriegen immer bessere Waffen, um damit immer stärkere Monster zu verkloppen - das ist das simple wie motivierende Konzept des Spiels. Dabei haben die Spieler 16 verschiedene Waffen zur Auswahl und jede Menge Gadgets, für die wir uns durch unzählige Menüs klicken müssen.

Ich probiere also alle Waffen einmal aus und entscheide mich für die Doppelklingen. Ein paar Kombos kriege ich beigebracht, darf ein wenig an einem Fass meine Fähigkeiten austesten, und dann geht das richtige Gekloppe los. Am Anfang bringt Wilds einen mit seinen konsequent fies anmutenden und schön in Szene gesetzten Biestern vor allem zum Staunen. Auf dem Testrechner läuft das Spiel auch flüssig. Von Performance-Problemen, wie sie viele Spieler im Alpha-Test hatten, ist da nichts zu sehen.

Ich verprügele also eine große Kröte, dann ein dinosaurierartiges Wesen und eine Art Bären. Doch nach und nach merke ich, eigentlich drücke ich nur wild Knöpfe, so richtig beigebracht kriege ich nichts und die Unmenge der Items und anderer Optionen nutze ich gar nicht erst. Sie verwirren sowieso nur.

Und genau das stört den Einstieg in "Monster Hunter Wilds" für einen Anfänger enorm. Aus den ersten Stunden "Monster Hunter" bleibt hauptsächlich die hanebüchene Geschichte und die wahnsinnige Vielfalt an Optionen hängen. Alles ist überfordernd und untererklärt. So viele Optionen sind verfügbar und möglich, und nur wenig wird einem so richtig beigebracht. Panisches Multitasking ist in diesen Anfangsstunden normal. Ich scrolle verwirrt durch die vielen verschiedenen Menüs, um ein bestimmtes Item zu finden, und weiche währenddessen den Angriffen eines massiven Lindwurms aus. Einmal brauche ich so lange, um herauszufinden, wie man eine Dungbombe herstellt, ausrüstet und einsetzt, dass der großzügige Timer des Bosskampfes schon fast abgelaufen ist, als ich bereit bin, mich dem Kampf so richtigzustellen.

Die Schwierigkeitskurve steigt dabei nur gemächlich an, was eigentlich angenehm sein könnte. Das Problem ist aber: Man muss das Spiel deswegen in den ersten Stunden gar nicht so wirklich lernen. Es reicht, einfach lang genug auf die Monster einzuprügeln. Wenn Entwickler Capcom die Zeit wenigstens nutzen würde, um den Spieler langsam in alle Spielbereiche einzuführen, würde der milde Start Sinn ergeben. Aber da man größtenteils allein gelassen wird, frustriert es eher. Bei der Stange gehalten wird man von den episch inszenierten Gegnern, der wunderschönen Spielwelt und dem Gefühl: da wird sicher noch mehr kommen.

Und dann, irgendwann, macht es "Klick". Nach ein paar Videos auf Youtube und den ersten richtig fordernden Gegnern legt sich ein Schalter um, und "Monster Hunter Wilds" ergibt plötzlich Sinn. Die komplexen Menüs, die mir nie so richtig erklärt wurden, erscheinen nun logisch, die Feinheiten der Waffen sind verstanden. Statt wild Knöpfe zu drücken, fühlen sich die hochkomplexen Kämpfe präzise und anspruchsvoll an. Selbst die Story, die sowieso nur Hintergrundrauschen für die fantastischen Monsterjagden sein soll, fühlt sich streckenweise sogar ein wenig charmant an. Und es macht alles in allem verdammt viel Spaß!

Denn wenn "Monster Hunter" einen packt, dann mit riesigen schuppigen Klauen, aus denen es kein Entkommen gibt. Stunden vergehen und man erlegt Bestie nach Bestie. Die Kämpfe sind so befriedigend wie wenig anderes, was die Videospielwelt sonst zu bieten hat. Um ein fettes Monster herumzutänzeln und dann mit gezielten Schlägen und Kombos die Schwachstellen zu treffen, macht einfach extrem viel Spaß und erlaubt dem Spieler eine Menge Freiheit und Kreativität.

Während ich in den ersten Stunden meiner Reise mit "Monster Hunter Wilds" eher zum skeptischen Lager gehörte, muss ich nun sagen: Entwickler Capcom hat mich überzeugt. Vielleicht ist die anfängliche Verwirrung eine notwendige Konsequenz der Komplexität, die "Monster Hunter" einem bietet. Dennoch: Ein wenig mehr und stückweise Einführung der Mechaniken hätte sicher nicht geschadet. Aber jetzt genug gemeckert. Ich habe noch Monster zu jagen.

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