„Natürlich habe ich Angst vor Depressionen“, sagt Magdeburgs Erfolgscoach
Im Dezember 2015 war es, als er das Traineramt beim SC Magdeburg übernahm. Bennet Wiegert, 43, hat seither viel erreicht mit seinen Handballern. Meister ist er geworden, die Champions League hat er gewonnen. Wiegert zählt zu den Besten seiner Zunft.
So gut er auch ist, er selbst sorgt sich ob des stressigen Bundesliga-Alltags aber auch um seine Gesundheit. „Ob ich Angst vor einem Burn-out habe? Klar. Ich habe auch schon mal Tests gemacht, ob ich gefährdet bin. Zum Glück bin ich relativ ungefährdet, weil ich halt zu emotional bin“, sagte der 43-Jährige dem Fachmagazin „Bock auf Handball“.
Dennoch beschäftige er sich intensiv mit dem Thema. „Burn-out ist auch bloß eine Form der Depression, und Depressionen kennen viele Wege, die anders als im Burn-out enden. Habe ich Angst vor Depressionen? Natürlich habe ich Angst vor Depressionen. Habe ich vielleicht eine Depression? Ich weiß es nicht“, sagte Wiegert.
Mit Spielern in der Kabine geweint
Der 43-Jährige gibt in dem Gespräch tiefe Einblicke in seine Gefühlswelt. „Ich habe in neun Jahren als Trainer dreimal mit Spielern in der Kabine geweint, weil sie Kinder nach Fehlgeburten verloren haben. Oder Elternteile sind gestorben“, berichtete der ehemalige Nationalspieler und betonte: „Für die Öffentlichkeit zählen nur die harten Fakten, und das ist die Performance am Wochenende. Doch das ist nicht das Leben. So funktioniert das Leben nicht.“
Über sein Handeln an der Seitenlinie wundert sich Wiegert manchmal selbst. „Ich habe nicht bloß einen Traumjob, sondern auch eine tolle Familie mit zwei gesunden Kindern. Eigentlich müsste ich der glücklichste Mensch der Welt sein“, sagte er. Obwohl er sich dies immer wieder klarmache, komme „dieser Gedanke leider bloß viel zu kurz. Und dann kommt wieder diese Verfressenheit raus: Ich muss gewinnen! Was ich hier manchmal so egoistisch abreiße, ist schon krass“, sagte Wiegert.
Dennoch wolle er nie seine Authentizität verlieren. „Manchmal platzt auch mir der Arsch. Und manchmal sage ich meinen Jungs Sachen, wo ich im Nachhinein sage: ,Ach Mensch, da haben die ganzen Coachings aber relativ wenig gebracht.' Aber das gehört auch dazu. Es gehört dazu, in der Kabine mal die Hosen runterzulassen.“
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