Der frühere Weltklasse-Zehnkämpfer Frank Busemann sieht auf die deutsche Leichtathletik trotz Olympia-Erfolgen in Paris weiter große Herausforderungen zukommen. „Man könnte sagen, vier Medaillen bei den Olympischen Spielen, alles ist super. Aber es ist leider nicht alles super“, sagte Busemann. „Die Welt hat sich weiterentwickelt – und wir müssen versuchen, wenigstens den Status zu erhalten.“

Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, die bei den deutschen Hallenmeisterschaften am Wochenende mit persönlicher Bestleistung siegte, hatte sich in Paris zur Olympiasiegerin gekürt. Weitspringerin Malaika Mihambo, die ihre nationale Titelsammlung am Sonntag in Dortmund weiter aufstockte, und Zehnkämpfer Leo Neugebauer freuten sich bei den Spielen in Frankreich über Silber. Bronze ging damals an die Frauen-Staffel über 4x100 Meter.

Abseits des Quartetts blieben in Paris viele deutsche Leichtathleten hinter den Hoffnungen oder Erwartungen. In diesem Jahr ist die WM in Tokio vom 13. bis 21. September der Höhepunkt.

Was steckt dahinter? Nur Zufall?

Dem gegenüber steht international seit einiger Zeit eine beispiellose Rekordhatz, insbesondere in der Laufszene. Schon am Silvestertag dieses Jahres blieb die Kenianerin Beatrice Chebet als erste Frau überhaupt über fünf Kilometer auf der Straße unter der Marke von 14 Minuten und stellte in 13:54 Minuten einen Weltrekord auf. Gleich sechs wurden im Februar aufgestellt, mitunter fielen sogar in einem Lauf gleich zwei Bestmarken.

Am 13. Februar etwa rannte der norwegische Superstar Jakob Ingebrigtsen in Liévin/Frankreich die Meile, also 1609 Meter, in der Halle in 3:45,14 Minuten (mehr als eine Sekunde schneller als der alte Rekord) und stellte in diesem Lauf mit seiner Zwischenzeit einen Rekord über die 1500 Meter in 3:29,63 Minuten auf. Der Amerikaner Yared Nuguse hatte erst fünf Tage zuvor die Bestmarke aufgestellt. Es stellt sich mitunter die Frage, was dahintersteckt. Nur Zufall?

Der deutsche Lauf-Bundestrainer Werner Klein sieht im Gespräch mit ntv.de mehrere Faktoren als Gründe für die Rekorde. „Zum einen haben sich Trainingsmethoden in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, was eine immer gezieltere Leistungs- und Wettkampfsteuerung ermöglicht. Zum anderen spielt auch die technologische Entwicklung, insbesondere im Bereich der Wettkampfschuhe, eine Rolle“, sagte er.

Seit etwa sieben Jahren haben vor allem die sogenannten Carbon-Schuhe im Profibereich dafür gesorgt, dass die Zeiten purzeln. Die im Schuh integrierten Carbonplatten sorgen für eine Versteifung des Zehengelenks. So kommt es zu einer Energieeinsparung beim Laufen. Zudem ermöglichen spezielle Dämpfungs-Schaumstoffe in den Schuhen Energierückgewinnung. Athleten können so bis zu vier Prozent schneller unterwegs sein.

Aus Sicht von Klein sind auch die Wettkämpfe mittlerweile „oft optimal auf Weltrekorde ausgerichtet, was eine Rekordjagd begünstigt“, wie er im ntv-Gespräch sagte. Zudem sei die zunehmende Professionalisierung des Sports ein entscheidender Faktor. „Athletinnen und Athleten profitieren von optimierten Trainingskonzepten, einer verbesserten Sportwissenschaft und einer ausgefeilten Rennstrategie“, sagt er. Gleichzeitig führe die hohe Leistungsdichte im internationalen Vergleich dazu, „dass sich Sportler gegenseitig zu immer besseren Leistungen pushen“.

Die Trainingslehre, heißt es in dem Bericht, habe sich in den vergangenen Jahren nochmal stark weiterentwickelt. Athleten und Athletinnen laufen im Training vermehrt an ihrer anaeroben Schwelle, machen mehrere schnelle Einheiten am Tag und steigern so ihre Leistungen. Auch die Wettkampfernährung habe über die längeren Distanzen eine wichtigere Rolle eingenommen: „Die gezielte Aufnahme von perfekten Mixturen an Kohlenhydraten während des Laufs hat einen Höhepunkt erreicht. Die Gels und Getränke werden durch ihre chemische Beschaffenheit teils speziell durch den Magen direkt in den Darm zur besseren Aufnahme geleitet.“

Die Leichtathletik lebt schon immer von Rekorden und der ewigen Jagd danach. Gleichzeitig schwingt aber auch immer mit, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Vor allem, wenn die Bestweiten reihenweise innerhalb kürzester Zeit purzeln.

Auch im deutschen Team und Umfeld werde über die Rekorde und Entwicklungen gesprochen, sagt Klein. „Unser Fokus liegt dabei darauf, wie wir die Erkenntnisse aus diesen Leistungen für unsere eigenen Athletinnen und Athleten nutzen können. Wichtig ist, dass trotz aller Fortschritte die Grundprinzipien eines nachhaltigen und eines gezielten Leistungsaufbaus gewahrt bleiben“, so der Bundestrainer.

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